Anruf reicht: Ab sofort müssen Sie für eine Krankschreibung nicht mehr zum Arzt

Die Zahl der Infektionen mit Covid-19 steigt hierzulande und weltweit weiter. Das hat Auswirkungen auf den Alltag vieler Menschen in der Bundesrepublik: Schulen, Großveranstaltungen, Flüge – vieles fällt in den kommenden Tagen aus. In welchen Bundesländern Sie Ihre Kinder zuhause lassen können und wo auch Sie selbst besser zuhause bleiben, lesen Sie hier im großen Überblick von FOCUS Online.

Generell ermuntert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jeden Deutschen abzuwägen, „was Ihnen im eigenen Alltag so wichtig ist, dass Sie darauf in den nächsten zwei bis drei Monaten nicht verzichten wollen – sei es der Clubbesuch, die Geburtstagsfeier im familiären Kreis oder die Vereinssitzung.“

Er vertraue darauf, dass die Bürger in diesen Zeiten kluge Entscheidungen für sich und ihre Liebsten träfen. „Denn wir schützen mit dieser Vorsicht vor allem unsere älteren und chronisch kranken Mitbürger.“

Alle Informationen zum Ausbruch des Coronavirus finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online

Zahl bestätigter Covid-19-Fälle in Deutschland steigt auf 1296

Baden-Württemberg: 237

Bayern: 314 – Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen untersagt

Berlin: 48 – Gesundheitsverwaltung hat Veranstaltungen ab 1000 Personen bis zum Ende der Osterferien untersagt

Brandenburg: 9

Bremen: 4 – Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen untersagt

Hamburg: 29 – Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen untersagt

Hessen: 35 – Land Hessen empfiehlt die Absage von Großveranstaltungen

Mecklenburg-Vorpommern: 13

Niedersachsen: 49

Nordrhein-Westfalen: 484 (2 Todesfälle/Landkreis Heinsberg besonders betroffen)

Rheinland-Pfalz: 25 – Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen untersagt

Saarland: 7 – Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen untersagt

Sachsen: 22

Sachsen-Anhalt: 7

Schleswig-Holstein: 9 – Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen untersagt

Thüringen: 4 – Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen untersagt

Gesamt: 1296

Quelle: Robert-Koch-Institut (Stand: 10. März, 15.00 Uhr, aktualisiert um 21.30 Uhr)

Krankschreibung ohne Arztbesuch

Patienten mit leichten Erkrankungen der oberen Atemwege können sich nun nach telefonischer Rücksprache mit ihrem Arzt bis zu sieben Tage krankschreiben lassen – zur Entlastung der Ärzte in der Coronavirus-Krise. Patienten müssen dafür nicht die Arztpraxen aufsuchen. Darauf haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung am Montag in Berlin verständigt. Die Regelung gilt für Patienten, die keine schwere Symptomatik vorweisen oder offizielle Kriterien für einen Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus erfüllen. Diese Vereinbarung gelte ab sofort und zunächst für vier Wochen.

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Schulen/Kitas

Ob Schulen geschlossen werden, entscheiden grundsätzlich die Gesundheitsbehörden. In Ausnahmefällen könne auch die Schulleitung "zur Abwehr erheblicher konkreter Gefahren" die Schließung veranlassen. Trotz der aktuellen Lage dürfen Eltern ihre Kinder nicht selbst von der Schule fernhalten. Die Schulpflicht gilt weiter. Trotzdem haben einige Schulen den Betrieb bereits ausgesetzt. Welche Schulen in Deutschland geschlossen bleiben, finden Sie hier nach Bundesländern geordnet:

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Messen/Großveranstaltungen

Gesundheitsminister Jens Spahn sagte zum Thema Großveranstaltungen am Sonntag: „Nach zahlreichen Gesprächen mit Verantwortlichen ermuntere ich ausdrücklich, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis auf weiteres abzusagen.“ Weiter sagte Spahn: „Ich bin mir bewusst, welche Folgen das für Bürgerinnen und Bürger oder Veranstalter hat.“ Darüber werde in den nächsten Tagen gesprochen. Klar sei aber, dass die Gesundheit vorgehe.

Der Ausbruch des Virus führte indes bereits zu zahlreichen Absagen. In Berlin ist die Tourismusmesse ITB abgesagt worden, in München die Handwerksmesse IHM und in Leipzig die Buchmesse. Einen Überblick der abgesagten Veranstaltungen in jedem einzelnen Bundesland finden Sie hier:

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In der Fußball-Bundesliga sind bislang keine Geisterspiele geplant. Aber auch im Ernstfall soll der Spielbetrieb bis zum Saisonende fortgesetzt werden, zur Not ohne Fans. Das teilte die DFL am Sonntag mit.

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Was Reisende beachten müssen

Gesundheitsminister Spahn hat die Bürger aufgerufen, Corona-Risikogebiete zu meiden. Auf nicht notwendige Reisen in besonders betroffene Regionen in Italien, aber auch in Nordrhein-Westfalen sollte man verzichten, sagte Spahn am Freitag am Rande der Treffen der EU-Gesundheitsminister in Brüssel. Die Grenzen in der Europäischen Union sollten aber offen bleiben.

Flüge

Die Lufthansa will ihre Flugkapazitäten noch drastischer zusammenstreichen als bislang geplant. Zuvor hatte das Unternehmen bereits angekündigt, etwa 7000 Flüge zu streichen. Jetzt sollen die Kapazitäten um bis zu 50 Prozent reduziert werden.

Betroffen sind nach Angaben des Konzerns „alle Passagierfluggesellschaften der Lufthansa Group“. Darunter fallen die Lufthansa, Eurowings, Swiss und Austrian Airlines.

Welche Verbindungen es trifft, finden Sie hier.

Über aktuelle Fluginformationen informiert die Lufthansa zudem auf ihrer Homepage.

Auch die iranische Fluggesellschaft Iran Air setzt wegen des Coronavirus bis auf weiteres Flüge aus. Treffen wird es alle Flüge nach Europa. „Aus uns noch unbekannten Gründen hat es seitens der europäischen Länder Limitierungen für die Iran Air Flüge gegeben. Und daher haben wir bis auf weiteres alle Flüge ausgesetzt“, sagte ein Sprecher der zivilen Luftfahrtbehörde am Sonntag.

Wer dieser Tage nach Israel möchte, hat besonders schlechte Karten. Das Land hat so drastische Maßnahmen verhängt, wie kaum ein anderes. Unter anderem ist die Einreise aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Österreich und der Schweiz seit dem 6. März nicht mehr möglich. Zahlreiche Flugverbindungen nach Israel wurden vorübergehend eingestellt.  

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Zugfahrten

Die Deutsche Bahn ließ mitteilen, dass sie auf eine weitere Ausbreitung von Covid-19 in Deutschland umfassend vorbereitet sei. In Zügen und Bussen der DB würden die bekannten Vorsorgehinweise des Robert-Koch-Instituts wie gründliches Händewaschen oder die schnelle Entsorgung von benutzten Taschentüchern gelten. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehen für Bahnkunden jedoch keinerlei Einschränkungen.   

Für Reisende mit Fahrscheinen in die vom Coronavirus betroffenen Gebiete in Italien hält die DB indes ihre Kulanzregelung aufrecht: Kunden, die ihre Reise nicht mehr antreten möchten, können ihren Fahrschein kostenfrei erstatten lassen. Gleiches gelte ab sofort für Reisende mit einer Fahrkarte der DB, bei denen der konkrete Reiseanlass aufgrund des Coronavirus entfällt (z.B. offizielle Absage einer Messe, eines Konzerts, Sport-Events o.ä.). Die kostenfreie Erstattung sei auch für den Fall gültig, dass ein gebuchtes Hotel im Zielort (ggf. im Ausland) unter Quarantäne steht.

Kunden der Deutschen Bahn können sich hier über die Corona-Vorkehrungen des Betriebs informieren.

Ausnahmezustand in Italien

In Italien herrscht der Ausnahmezustand, denn wegen Corona wurde das ganze Land zur Schutzzone erklärt. Das Auswärtige Amt rät daher von Reisen nach Italien ab. FOCUS Online erklärt, was Urlauber jetzt wissen müssen.

Medizinische Versorgung

Ein Krankenhaus im sachsen-anhaltischen Zerbst ist für neue Patienten und Besucher gesperrt. Grund dafür ist, dass in der Einrichtung ein Arzt aus Sachsen arbeitet, der positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wurde, wie der Landkreis Anhalt-Bitterfeld am Sonntag mitteilte. Der Fall zählt statistisch nicht zu Sachsen-Anhalt, nach Angaben des Sozialministeriums wurde bis Sonntagmittag bei keinem Sachsen-Anhalter eine Infektion mit dem Erreger Sars-Cov-2 nachgewiesen. In allen anderen Bundesländern sind bereits Erkrankungen bekannt.

Die wichtigsten Telefonnummern bei Covid-19-Verdacht

Die Regierung empfiehlt: Bei Coronavirus-Symptomen ist es besser anzurufen, statt im Wartezimmer zu sitzen.

  • 116 117: Ärztlicher Bereitschaftsdienst
  • 115: Einheitliche Behördennummer
  • 0800 011 77 22: Unabhängige Patientenberatung Deutschland
  • 030 346 465 100: Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums

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Noch Fragen?

Die Zahl der Covid-19-Kranken in Deutschland steigt weiter, die der Fragen ebenso. FOCUS Online hat deshalb ein Experten-Netzwerk aufgebaut – und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Coronavirus. Live und im ständigen Austausch mit Infektiologen, Virologen und anderen Spezialisten. Stellen Sie uns Ihre Fragen in der Corona-Sprechstunde.

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